Im Gespräch mit Dennis Capra

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Louie Melody & Dennis Capra – Mafia [Capra Records, 2016]

Der Sänger und Produzent Dennis Capra ist vor kurzem nach Barcelona gezogen, Ende des Monat’s steht eine neue 7“ auf seinem Label Capra Records an. Zeit sich mal mit dem Mann zu unterhalten.

Hey man! Capra ist das italienische Wort für Ziege, wie kommt’s zu dem Bezug? Bist du auf einer Farm groß geworden?

Hallo. Schöne Frage, die Antwort ist aber simpel: Capra kommt von meinem Nachnamen.

Wie lange machst du schon Musik und was sind deine Einflüsse?

Musik mache ich seit 2004/2005. Ich habe zu der Zeit angefangen das Mikrofon in die Hand zu nehmen, da lebte ich noch in Neapel. Dann zog ich weiter nördlich nach Bologna, dort baute ich mit drei anderen Typen das 48 Roots Soundsystem. Jetzt lebe ich in Barcelona. Meine Einflüsse kommen vom Leben das ich liebe, meinen Erfahrungen. Als ich noch klein war, besetzte mein Bruder mit einer anderen Gruppe eine alte Schule. Sie veranstalteten dort viele Punk, Reggae und Ska Partys. Ich glaube, zu der Zeit begann ich mich für Musik zu interessieren.

Wie sieht’s in deinem Studio aus?

Mein Studio ist eigentlich ein Seepferdchen, welches auf einem gigantischen Mixer aus der Zukunft spielt. Ein verrückter Affe gab mir das Ding. Ich möchte nicht zu viel darüber reden, aber du kannst gerne mal vorbei kommen.

Du hast in Neapel gelebt, einer tollen Stadt. Wie groß ist der Einfluss dort im allgemeinen und auf deine Musik? Die aktuelle Single Mafia auf Capra Records setzt sich ja mit diesem Thema stark auseinander.

Ich bin geboren und aufgewachsen in Neapel, bis 2007. Zu dieser Zeit war die Stadt echt anders als jetzt. Es gab ’ne Menge Gewalt und Armut. Außerdem habe ich in ’nem schlechten Bezirk gelebt, ne‘ Art Ghetto. Aber in Neapel hat jeder Bezirk einen Ghetto. Die Mafia in Neapel nennt sich Camorra, aber zuerst muss ich sagen, dass die Nummer 1 Mafia die Regierung und deren Politiker sind. Ich glaube die Camorra wurde gegen Ende des zweiten Weltkriegs gegründet, aber zunächst als revolutionäre Antwort zum Leben gegen den Staat. Dann kam wohl die Regierung um mit ihnen zusammen zu arbeiten, die Arbeiterklasse weiter zu unterdrücken. Den Song Mafia hat mein guter Freund Louie Melody aus Portugal geschrieben. Er kommt von der Real Rockers Crew und ist jetzt auch Sänger bei Capra Records. Er war für einige Wochen mit seiner Crew und mir in Neapel unterwegs, Mai 2015, in der Zeit nahmen wir den Tune auf. Aber wie gesagt, jetzt ist alles gut in Neapel und es ist nicht mehr so gefährlich wie vor ein paar Jahren. Man muss aber auch bedenken, dass Napoli eine Großstadt mit 1,5 Mio. Einwohnern ist, die Mafia gibt’s überall. Die Bösen leben in jeder Stadt. Lloyd Parks, Leroy Smart und viele andere sangen auch schon über die Mafia, und meinten dabei nicht die aus Sizilien oder Neapel. Dieser Tune ist auch der erste, bei dem wir uns mit dem Thema Mafia auseinandersetzen. Ich bin mir aber sicher, dass es nicht der letzte sein wird. Them a mafia and we don’t deal with them.

Dein Vocal Style orientiert sich an dem orginalen Toasting Style aus Jamaika. Wer sind deine Lieblings Toaster von damals?

Komplizierte Frage, das ist wie, welche ist deine Lieblingsfarbe im Regenbogen, aber ich versuch’s mal: Clint Eastwood, Trinity, Ranking Toyan, Ranking Simeon, Ranking Dread, Big Youth, Sister Nancy, U-Roy, I-Roy, Prince Jazzbo …

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Wie sieht’s mit der Soundsystem Kultur in Italien aus? Wir kennen Moa Anbessa, 48 Roots und vor einigen Jahren war ich mal auf dem Zion Station Festival. Auf welche Künstler und Soundsystems sollten wir ein Auge werfen?

Italien hat ein gute Soundsystem Kultur und verhält sich, aus meiner Sicht, wie eine große Familie. Ich hatte das Glück mit vielen italienischen Soundsystemen zu arbeiten, z.B. für Kunta Kinte, Giant Killa, Earth Resistance, Shakalaka, Mistical, Delta Hi-Fi, Etrurian, Prince Healer, Bababoom Hi-Fi, Blackstar Line, Radio Fontani, Wave Dub, Gianpy, La Svolta, Dubass und vielen mehr. In Italien gibt es ungefähr 120 Soundsystems und viele Leute die kein Soundsystem haben, dafür aber genauso viel Leidenschaft, Kultur und Talent in die Szene bringen. 48 Roots ist mein Soundsystem, aber jetzt lebe ich in Spanien und nehme erstmal nach vielen Jahren eine Pause. Als Künstler kann ich euch alle und keinen empfehlen, also haltet die Ohren offen für gute Vibes.

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48 Roots Soundsystem

Was gab die Motivation nach Spanien zu ziehen?

Ja, ich lebe jetzt in Barcelona und suche noch nach der eigentlichen Motivation. Die Sache war die, dass Danny Kingston mit ’nem guten Van da war, wo mein ganzes Studio reinpasste. Ich stieg also spontan ein und wir fuhren los. Ich war müde vom Leben in Italien, es ist auch nicht das erste Mal, dass ich mit meinem Studio spontan umziehe, bestimmt auch nicht das letzte.

Was können wir zukünftig von Capra Records erwarten?

In Barcelona habe ich dieses Sprichwort gelernt: No Rush, No Pause.

Als Platten-nerd würden mich zum Schluss noch deine fünf liebsten Platten interessieren.

  • Hector Lavoe – Tribute a Hector Lavoe
  • Cumbia 1 & 2
  • Alton Ellis – Many Mood Of
  • Pino Daniele – Nero a Meta‘
  • Burning Spear – Hail H.i.m.

Louie Melody’s Mafia gibt es in den nächsten Wochen beim vertrauten Plattendealer. Die Single kommt als 7“ mit einer dicken Dub Version von Dennis Capra auf der B-Seite. Checkt das Video, um einen kleinen Vorgeschmack zu bekommen!

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